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Posts

Es werden Posts vom Februar, 2011 angezeigt.

Selbstbewusste Außenseiter

Wenn man krank daheim im Bett liegt, tut man plötzlich Dinge, die man sonst nicht tut oder, wie in meinem Fall, schon lange nicht mehr getan hat. Ich habe seit Jahren mal wieder ferngesehen. Ich zappe also so durch die Kanäle und bleibe bei einer dieser unzähligen Talkrunden hängen. Ich fange einen Satz auf, der mich ins Nachdenken bringt. Es handelt sich um eine Definition. Sie lautet sinngemäß: Das Lebenskonzept, das ein Künstler ganz bewusst für sich wählt, ist das eines selbstbewussten Außenseitertums.
Whow, denke ich, wie ungemein tiefsinnig. Aber stimmt das auch? Sind Künstler wirklich besondere Menschen, die selbstbewusst außerhalb der menschlichen Gesellschaft stehen? Außerhalb der Gesellschaft – a-, ab-, diese lateinische Vorsilbe bedeutet soviel wie „weg von“ und die Gesellschaft betreffend wird aus dem Lateinischen kommend im Deutschen mit „sozial“ bezeichnet. Wenn also Künstler Menschen sind, die außerhalb der Gesellschaft stehen, wären sie dann asozial?
Was verstehen wir …

Stadt, Land, Single

Heute Nachmittag war ich mit einer sechsten Klasse, die ich in Deutsch unterrichte, in der Dreiuhrvorstellung im Kino. Wir haben uns den neuen Film von Til Schweiger „Kokowääh“ angesehen. Dienstags ist das immer sehr günstig, da ist Kinotag, und man kommt zu wirklich günstigen Preisen ins Kino. Ich mache das ab und an einmal, wenn ich mich bei den Kids bedanken will, weil sie so ordentlich gearbeitet haben und fleißig waren. Es sind in der Regel auch immer einige Eltern mit.  In dem Film, den ich für einen sehr guten, gelungen, ja, ich bin sogar versucht zu sagen „pädagogisch wertvollen“ Film halte – ob das Prädikat nun passt oder nicht – geht es um die zentrale Frage: „Was ist ein Vater?“ Schweiger nennt das selbst in seiner Rolle als Drehbuchautor den „zentralen Konflikt“ seiner Geschichte. Diese Geschichte ist schnell erzählt. Ein 42-jähriger Drehbuchautor, der sein Singledasein genießt, massenhaft Affaire mit Frauen hat, deren Namen er oftmals nicht mehr weiß wird drastisch mit sei…

Verluste

Am Valentinstag 2011

Es heißt, wenn ein Mensch geht, geht er niemals so ganz. Er hinterlässt etwas, ein Stückchen, einen Bruchteil, einen Hauch von dem, was ihn ausgemacht hat. Nun kann ein Mensch aber auf verschiedene Art und Weise gehen. Er kann sterben, das ist, mal abgesehen von den unterschiedlichen Varianten des Todes, die absoluteste Form, ein Fluss ohne Wiederkehr, wenn man so will. Er kann aber auch einfach so beschließen, nicht mehr an deinem Leben teilzunehmen, einfach aus deinem Bekanntenkreis oder deinem intimen Umfeld zu verschwinden. Dieses Gehen ist die schlimmere Form, denn wenn jemand stirbt, hat das, neben der Trauer um ihn, auch den Effekt, dass man sicher sein kann, dass man ihm auch nie wieder begegnet. Klingt das jetzt sarkastisch?
Noch schlimmer macht es dieser Mensch, wenn er/sie ohne jegliche Begründung geht. Wenn er/sie dann noch einige wenige Vorwürfe fallen lässt, aus denen sich aber keine ausreichenden Rückschlüsse ziehen lassen, dann ist das mehr als…

Auf der Durchreise

Ich bin auf der Durchreise.  Ich bin es nun schon seit etlichen Jahren.  Ich habe an verschiedenen Orten gewohnt und gearbeitet, allerdings habe ich mich nie wirklich irgendwo heimisch gefühlt. In der großen weiten Welt bin ich noch nicht wirklich viel herumgekommen. Wien, Paris, Dresden, Langeoog... das waren meine weitesten Ziele. Mein bisheriges Leben spielte sich in geographisch relativ kleinem Rahmen ab, alles so im Grenzgebiet zwischen Rheinland-Pfalz und Hessen, mit einem kleinen Abstecher an die Mosel.  Ich bin mit sechsundzwanzig, während dem Studium, daheim in einer Nacht- und Nebelaktion ausgezogen. Raus aus der relativen Sicherheit des elterlichen Wohnhauses und rein in die brutale Realität des Lebens! Zunächst wohnte ich in Koblenz, im Studentenwohnheim, bis ich meinen Abschluss hatte. Dann verschlug es mich für ein halbes Jahr an die Mosel.  Im Anschluss daran kam ich nach Hessen, unweit der Grenze zu Rheinland-Pfalz in die Bistumshauptstadt. Dort blieb ich zwei Jahre. Danac…