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Es werden Posts vom März, 2015 angezeigt.

Eastwoods American Sniper: Indoktrination des Hassens und Konditionierung durch Patriotismus

„Sometime they'll give a war and nobody will come“ – An diesen Vers aus dem Gedicht „The People, Yes“ von Carl Sandberg (1878-1967), dem US-amerikanischen Autor, Journalist, Historiker und Pulitzer-Preisträger, muss ich permanent denken, seit ich das Kino verlassen habe. Während des Films American Sniper des US-amerikanischen Filmschauspielers, Regisseurs, Produzenten, Komponisten und Politikers Clint Eastwood (*1930) habe ich noch gedacht, dass ich darüber wahrscheinlich nicht schreiben werde, weil ich dazu eigentlich nichts zu sagen habe. Eigentlich. Dann jedoch bin ich mit meinem Freund und Kollegen Paul (Anm.: Der Name wurde von mir geändert), dem zuliebe ich mir den Film angeschaut habe, auf dem Rückweg zu unseren Fahrzeugen in eine Diskussion über die alte Frage geraten, ob Soldaten Mörder sind. Und die unterschiedlichen Standpunkte zwingen mich jetzt geradezu zu diesem Text.



Paul, Jahrgang 1974, ist Hauptfeldwebel a. D. und war von 1996 bis 2006 in verschiedenen Auslandsei…

Kingsman: The Secret Service – Die Mär von den neoklassizistischen Rittern der Neuzeit

König Artus (Pendragon), Sir Lancelot vom See, Sir Galahad – der Klang dieser Namen hat auch heute noch – wenn auch nur bei denjenigen, die sie noch kennen – eine ganz bestimmte Wirkung. Vor dem geistigen Auge tummeln sich edle Ritter in strahlender Rüstung und von dunklen Finsterlingen bedrohte jungfräuliche Burgfräuleins ganz in der Art, wie Richard Thorpe (1896-1991) uns das in den 1950er Jahren bereits gezeigt hat. Mit Filmen wie Ivanhoe – Der schwarze Ritter (Ivanhoe, 1952) und Die Ritter der Tafelrunde (Knights Of The Round Table, 1953) hat er unser Bild vom mittelalterlichen Rittertum und dem Minnesang verklärt. Die wahren Rittertugenden (staete, minne, hoher muet, mâze, triuwe) und das Tjostieren sind Botschaften aus einer längst vergangenen Zeit, die man, will man sie vermitteln, auf eine kurze knackige Formel bringen muss, die jeder versteht: „Manieren machen uns zu Menschen!“


Matthew Vaughns (*1971) neuer Film Kingsman: The Secret Service nach dem Comic The Secret Ser…

Seventh Son - oder: Wie man einen Kinofilm mobbt

„Sagen Sie, können Sie mir sagen, warum der Film so boykottiert wird? Sie sind das einzige Kino hier in der Gegend, der ihn bringt, und er läuft schon seit Donnerstag! (Anmerkung: Heute ist Sonntag!)“, frage ich den Mann an der Kinokasse im Odeon-Apollo-Kinocenter in Koblenz. Dieser nickt achselzuckend und antwortet: „Der ist in Amerika schon sehr schlecht gelaufen und dann geht man davon aus, dass der auch hier schlecht läuft.“ Ich traue meinen Ohren kaum. Ich hör' wohl nicht richtig. „Was ist das denn für eine merkwürdige Schlussfolgerung?“, entgegne ich leicht verstimmt, „Es hat eine Menge Filme gegeben, die in Europa besser und erfolgreicher gelaufen sind als in Amerika.“ Wiederum nickt der Kassierer und wirft mir mit gequälter Mimik lapidar die Feststellung „Er läuft auch sehr schlecht.“ vor die Füße. 


Ich nicke nun ebenfalls, aber nicht, weil ich ihm zustimme, sondern weil ich merke, dass im Gespräch mit diesem Menschen kein Krieg zu gewinnen ist. Das ist schon kein Boykott m…