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Schwacher Anfang – Starkes Ende: Die Zweite Sinclair-Convention (#JSCON) in Köln



„Über diese Fernsehserie sollte man besser schweigen, denn da ist so viel schiefgegangen, wie nur schiefgehen konnte.“ So äußerte sich der Autor Helmut Rellergerd (*1945) alias Jason Dark vor Jahren einmal zu der Fernsehumsetzung seiner Serie um den Geisterjäger John Sinclair. Eigentlich wollten wir diese Formulierung nutzen und mit Jason Dark formulieren: „Über diese Zweite Sinclair-Convention sollte man besser schweigen“, doch das wäre nicht wirklich angemessen.



Mit großen Erwartungen waren wir nach Köln gekommen, hatten wir doch auf der 1. JSCON 2016 (#jscon) eine so großartige Stimmung erlebt und so viele tolle Erlebnisse gehabt, dass wir freudig beschlossen hatten, auch auf eine Zweite zu fahren und uns dort in die Horror-Welt eines Jason Dark und seines ewigen Helden John Sinclair entführen zu lassen.





Doch was war das? – Nachdem wir in der Tiefgarage einen Parkplatz gefunden hatten, und die Stadthalle in Köln Mühlheim betraten, waren wir doch ein wenig überrascht – und leider nicht im Positiven. Relativ – im Verhältnis zur ersten JSCON – wenige Besucher drängten sich um einige wenige Merchandise-Stände und das Ambiente war so schlecht gestaltet, dass so etwas wie ein Sinclair-Feeling noch nicht im Ansatz aufkommen wollte. Daran konnte auch der Nebel, der aus dem Keller heraufwaberte, wo sich die Toiletten befanden, nicht wirklich etwas ändern. Die erste Frage, die sich uns aufdrängte, war, so komisch sich das jetzt auch anhören mag: Geht es denen wirklich nur noch ums Geld? - Ist Verkaufen das Einzige, was sie wollen?




Wir durchquerten das Atrium – kann man das so nennen? – und schauten, ob uns interviewwillige Promis über den Weg laufen würde, doch leider Fehlanzeige! Die waren alle in einem speziellen VIP-Bereich untergebracht – ein Unding für eine solche Convention, wo man ja gerade seinen Stars hautnah begegnen möchte. Wir fanden einige interessante Cosplayer, Fake-Ghostbusters, die sich auf ein relativ unbekanntes Sinclair-Taschenbuch aus dem Jahr 1986 bezogen: Geisterjäger im Wilden Westen. Phantasievolle, selbstgeschneiderte Kostüme und selbstgebastelte Waffen und eine gruselige Frau in Weiß war alles, was man an wirklich Sehenswertem bekam. Ein Werwolf, der aber eher einem überdimensionierten Goofy ähnelte, und dem unter seinem „Fell“ doch recht warm wurde, weswegen er seinen Werwolfkopf größtenteils unter dem Arm trug und auf seinen Fersensehnen (sic!) zu stehen kam …





Relativ enttäuscht gingen wir in die Mittagspause, die wir bei einem bekannten Fastfood-Restaurant verbrachten. Mit weiteren Besuchern, die wir dort kennengelernt hatten und die unsere Meinung und Einschätzungen teilten, saßen wir anschließend noch ein wenig beisammen und diskutierten. Wir überlegten allen Ernstes, nach Hause zu fahren, denn immerhin hatte sich die Technik im Saal geweigert, uns die Tonsumme durchschleifen zu lassen, was ein Mitfilmen für uns uninteressant machte, da wir nachvollziehbarer Weise kein Video mit schlechten oder unzureichendem Ton produzieren wollten.






Doch dann, am frühen Nachmittag wendete sich das Blatt etwas. Dank der Hilfe von Marc Sieper von Luebbe Audio bekamen wir doch noch unseren Ton und die Veranstaltungen im Saal konnten uns wieder ein wenig der Begeisterung und des Spaßes von der ersten JSCON zurückbringen. Höhepunkte des Nachmittags waren definitiv die Diskussionsrunde mit den Sprecherinnen und Sprechern (wirklich renommierte Stimmen wie Alexandra Lange, Wolfgang Rüter, Martin May, Katy Karrenbauer, Claudia Urbschat-Mingues, Udo Schenk, Sven Plate, Patrick Bach und Dietmar Wunder), dann Katy Karrenbauers Live-Lesung aus dem neuen Taschenbuch ENGEL? von Jason Dark, die unvermeidliche Autogrammstunde und letztlich das Live-Hörspiel der noch nicht erschienenen Folge 129: „Die Gruft der wimmernden Seelen“ (=> Hörspielfassung)





Katy Karrenbauer (=> Homepage), die die leider erkrankte Franziska Pigulla vorerst in der Rolle der Jane Collins vertreten wird, war schon auf der Hörmich 2018 in Hannover in diesem Jahr in dieser Rolle zu hören gewesen, nämlich in dem experimentellen Werk „DEADWOOD - Stadt der Särge“ (Live-Hörspiel-Mitschnitt) und kann mit ihrer charismatischen, unverwechselbaren Stimme und ihrer großartigen schauspielerischen Leistung definitiv als Entdeckung der Hörmich und der JSCON gelten, ein Besetzungscoup, der selten in diesem Genre so deutlich gelingt.





Das Live-Hörspiel fand dann am Abend Gott sei Dank in klassischer Form statt, die endlich dem Text Rechnung trug und das Hörspiel dem geneigten Publikum mit dem nötigen Ernst darbot. Das kam sehr gut an und ließ ein wenig die progressive Performation der Hörmich 2018 ein wenig vergessen.





Fazit ist und bleibt aber, dass diese 2. JSCON an die erste nicht wirklich heranreichen konnte und es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen daraus lernen und wieder mehr zu dem Ambiente des Anfangs zurückkehren. Denn eine solche CON ist ja eigentlich eine positive Sache, die viele Menschen mit dem gleichen Hobby und den gleichen Gesinnungen zusammenbringt und das sollte nicht auf der Strecke bleiben. Ein Abschluss also, mit dem zum Schluss dann doch noch vieles richtig gemacht wurde.



Postskriptum: Nach der Veranstaltung hatten wir die Gelegenheit, mit dem großartigen Udo Schenk noch ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern. Es war unglaublich, wie viel Zeit der renommierte Mime den wenigen verbliebenen Fans widmete, wie freundlich und doch eindringlich er sein Wissen und seine Erfahrung mitteilte, im Übrigen ein Wissen und eine Erfahrung, die man nirgendwo im Internet nachlesen kann. Da sprach ein Meister der alten Schule zu seinen Schülern und vermittelte ihnen die wahre Bedeutung der Schauspielei und des Sprechens, nicht ohne eine deutliche Kritik an der gegenwärtigen Praxis in Funk, Fernsehen und den sogenannten neuen Medien zu hinterlassen. Er verknüpfte seine Aussagen immer mit Beispielen aus seiner beruflichen Praxis, ermutigte und beschwor die Magie des Wollens herauf. Allein diese kurze Zeit, die wir mit ihm verbringen und ihm lauschen durften, versöhnte uns vollends mit dieser Veranstaltung, die schwach begonnen hatte, dann doch aber stark endete. Vielen Dank, lieber Udo Schenk!


























Fotos by ©Nils Klüber, 15.09.2018

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